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The Brexit – das wahre Gesicht der Populistischen Verführer

 

 

Die Praxis sollte das Ergebnis des Nachdenkens sein, nicht umgekehrt.

                                                                                       Hermann Hesse

Die Briten haben es tatsächlich getan: Sie sind den populistischen Wortführern wie Nigel Farage und Boris Johnson auf den Leim gegangen und haben für den Brexit gestimmt. Sie haben den Versprechungen geglaubt, dass ein Brexit eine großartige Sache werden würde und der Tonfall, in dem die Kampagnen für den Brexit geführt wurden, haben ein giftiges politisches Klima geschaffen, dessen trauriger Höhepunkt in der Ermordung von Helen Joanne Cox gipfelte.

Dies alles ist bekannt. Viel interessanter hingegen ist der Preis, der nun zu zahlen ist. Das Pfund Sterling ist im Keller. Schottland steht kurz vor der Abspaltung von Großbritannien und wie sich die Lage in Nordirland entwickeln werden, ist unklar. Genauso wie die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Ein unfassbar teuer erkaufter Sieg.

Wirklich interessant ist der Umgang der Sieger mit dieser Situation. Ist es nicht seltsam, dass man nahezu nichts oder nur sehr wenig von diesen Siegern hört? Nigel Farage hat die Zusage – dass das Geld, welches man wöchentlich an die EU überweisen würde, in das Gesundheitssystem gepumpt werden würde – als einen Fehler bezeichnet. Boris Johnson ist plötzlich der Meinung, man bräuchte nichts zu überstürzen und könne sich viel Zeit mit dem Brexit lassen und ging Cricket spielen. So sehen also die strahlenden Sieger des Brexits aus?  

Hätten sie sich nicht am Morgen des Sieges hinstellen und den politischen Aufruhr beruhigen müssen? Hätten sie sich nicht umgehend in die Arbeit stürzen müssen, anstatt Cricket zu spielen? Hätten sie nicht einen Plan präsentieren müssen, wie sie das abgestürtzte Pfund Sterling stabilisieren und die aufgebrachten Finanzmärkte beruhigen wollen? Warum haben sie nicht ein Konzept vorgelegt, wie ein drohendes Ausbluten der City of London langfristig verhindert werden soll? Und wo ist der Zeitplan, den sie nun fahren wollen, um den Brexit so schnell wie möglich zu vollziehen?

Aber es kam nichts, um die Situation zu beruhigen. Keine Vorstellung eines politischen oder wirtschaftlichen Konzepts. An der Stelle offenbart sich der ganze Wahn der politischen Verführung des Populismus. Es ist einfach, mit schlichten und eingängigen Parolen eine irrsinnige politische Situation zu schaffen. Aber es gibt kein ebenso schlichtes Konzept, den eingehandelten Irrsinn zu bändigen. Noch schlimmer: Sie haben überhaupt kein Konzept, keinen Plan, gar nichts. Sie hatten nichts, außer ihrer wahnwitzigen Kampagne.  
Am Beispiel des Brexits zeigt sich, welche Auswirkungen es hat, wenn man den schlichten Parolen der politischen Verführer vertraut – und wie gefährlich das werden kann. Insbesondere deshalb, weil sich derzeit nicht abzeichnet, wer diesen politischen Trümmerhaufen auch nur ansatzweise beiseite räumen kann.

Boris Johnson wird derzeit als möglicher Nachfolger für David Camaron gehandelt. Da er diesen Trümmerhaufen angerichtet hat, wäre es nur konsequent, wenn er nun der Chefaufräumer werden würde. Allerdings hat er bisher nur cricketspielend seine Planlosigkeit unter Beweis gestellt.  

Und dennoch wird er auf dem Kontinent beklatscht. Am lautesten von Populisten wie Marine lePen, Geerd Wilders, Beatrix von Storch – und natürlich von Donald Trump. Sollen sie doch. Verbieten kann man es ihnen ohne hin nicht. Statt dessen redeten sie begeistert vom Untergang der EU. Natürlich haben auch sie kein Konzept, wie Europa ohne EU aussehen soll. Die Trümmerwüste, die sie anrichten würden, kann man derzeit im Kleinen in Großbritannien bewundern. Es ist wichtig, am Beispiel Großbritanniens zu zeigen, wie die politischen und wirtschaftlichen Ergebnisse aussehen, wenn solche Menschen gewinnen: Planlosigkeit, Chaos und Perspektivlosigkeit sowie wirtschaftlicher Absturz.  

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Ein Kommentar zu “The Brexit – das wahre Gesicht der Populistischen Verführer

  1. Sehr gut beschrieben. Das ist das Problem, wenn Leute die (z.T. ja berechtigte) Kritik am Status quo einfach emotional in Wahlverhalten umsetzen ohne sich über die Alternativen Gedanken zu machen.

    An anderer Stelle (Quelle vergessen) habe ich dazu gelesen „AfD-wählen, weil man mit der Regierung unzufrieden ist, ist wie aus der Toilette trinken, weil in der Kneipe das Bier nicht schmeckt.“

    In manchen Angelegenheiten kann man Ja-Nein-Fragen stellen:
    „Olympiabewerbung ja oder nein?“
    Da ist „dagegen“ eine valide Position. Man kann es halt tun oder lassen.

    Bei der EU-Mitgliedschaft ist eben NICHT klar, was die Alternative ist. Deswegen halte ich so ein Referendum keine gute Idee (die Drinbleiben-Option war ja genauso unklar – bedeutet das „um jeden Preis“ oder „noch einen Rabatt und noch eine Ausnahme fordern“). Bei neuen Verträgen geht das naturgemäß leichter (die Alternative ist dann, dass alles bleibt, wie es ist).

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