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Weltfrauentag – Kampf um Grundlegendes

 

Wer hätte gedacht, dass am Weltfrauentag 2014, mitten in Deutschland, um ganz grundlegende Frauenrechte gekämpft werden muss. Es geht um die freie Entfaltung der Frau, die heute aus gleich mehreren unterschiedlichen Richtungen in einen Schraubstock von Erwartungen gezwängt wird und an den verschiedensten Erwartungen, die an sie gestellt werden, zu zerbrechen droht.

Denn die moderne Frau muss gleich mehrere Dinge leisten können: Sie soll Hausfrau und Mutter sein, die perfekte Partnerin und außerdem auch noch beruflich erfolgreich. Sie soll wahlweise zur gesellschaftlich eierlegenden Wollmichsau oder zur Superfrau werden. Damit sind Frauen immer weniger in der Lage, sich frei entfalten zu können.

Dabei könnte es so einfach sein. Nie zuvor hatten Frauen so viele Optionen wie heute – könnte man meinen. Leider ist dem nicht so. Bleiben Frauen zu Hause, weil sie mehrere Kinder haben möchten, gelten sie als „Heimchen am Herd“, als rück- und unselbstständig; gehen sie ohne Kinder einem Beruf nach, werden sie als karrieregeiles Biest beschimpft, und wenn sie auf die Karriere verzichten und versuchen, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen, sind sie schlicht Rabenmütter und mit dem alltäglichen Wahnsinn oft am Rande ihrer Möglichkeiten. Die traurige Wahrheit ist: Frauen haben vielleicht noch nie so viele Optionen gehabt wie heute – aber dafür können sie es niemanden mehr recht machen. Alle ziehen und zerren an ihnen herum. Und selbst unter diesen Gesichtspunkten stimmt diese Annahme nur bedingt. Denn Frauen haben – realistisch betrachtet – nur sehr wenig Wahlfreiheit.

Frauen, die sich durchaus mehrere Kinder wünschen, können sich diesen Wunsch oftmals aus rein ökonomischen Gründen nicht erfüllen. Und so kommt es, dass sich fast ausschließlich wohlhabende Familien viele Kinder leisten können, weil die Mutter keiner Erwerbsarbeit nachgehen muss. Durchschnittsfamilien mit einem durchschnittlichen Einkommen haben häufig nur ein bis zwei Kinder und sind auf das zusätzliche Einkommen der Mütter angewiesen. Dies gilt insbesondere in den Ballungsgebieten, in denen die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind.

Hinzu kommt, dass moderne Feministinnen nahezu ausschließlich das Bild der berufstätigen Frau propagieren und damit der Ökonomisierung der Frau absolute Priorität einräumen. Die beliebte Forderung nach einer Quote für Frauen in den Vorständen von DAX-Unternehmen ist eine Forderung, die nur für eine winzige elitäre Gruppe von Frauen interessant ist. Der große Rest der Frauen bleibt unberücksichtigt.

Nach wie vor ist es immer noch so, dass Frauen, die sich entschließen, Kinder zu bekommen, die ganz großen Verlierer der Nation sind. Sie zahlen als berufstätige Frauen von ihrer bescheiden entlohnten Teilzeittätigkeit in die Rentenkasse ein und finanzieren damit die Generation der Rentner. Den Rest ihres Gehalts investieren sie in ihre Kinder und sorgen damit dafür, dass die Gesellschaft auch weiterhin tragfähig bleibt. Damit können sie jedoch keine ausreichende Altersversorgung für sich selbst betreiben und werden mit großer Wahrscheinlichkeit in der Falle der Altersarmut enden. Kurz: Frauen, die sich entscheiden Kinder zu bekommen, tragen nahezu vollständig die gesellschaftliche Last. Unterstützung für weibliche Lebensmodelle: Fehlanzeige.

Haben sich Frauenrechtlerinnen in früheren Zeiten für Rechte eingesetzt, die alle Frauen betroffen haben – sei es das Wahlrecht für Frauen oder das Recht auf Abtreibung –, so ist dies heute nicht mehr der Fall. Frauen werden von der feministischen Bewegung nur dann unterstützt, wenn sie einen rein beruflich orientierten Lebensweg einschlagen. Damit hat sich der Kapitalismus mit seinem enormen Ökonomisierungszwang auch diese Bewegung Untertan gemacht. Die Frauen, die die größte gesellschaftliche Last tragen, werden von einer solidarischen Unterstützung ausgeschlossen. Dabei bräuchten gerade sie eine Frauenbewegung, die sich für ihre Lebensmodelle einsetzt.

Die Ökonomisierung der Gesellschaft insgesamt trifft Mütter immer wieder besonders hart. So sorgt der Zwang zum wirtschaftlichen Handeln im Gesundheitswesen dafür, dass die Ausübung des Hebammenberufs weitgehend unmöglich gemacht wird. Damit wird der Frau ihr natürlichstes und ureigenstes Grundrecht genommen: zu entscheiden, wann, wo und unter welchen Umständen sie ihr Kind zur Welt bringen möchte, denn dazu bedarf es der Hilfe einer Hebamme.

Jede Schwangere muss das Recht haben, während der Schwangerschaft sowie während und nach der Geburt eine Hebamme an ihrer Seite zu haben. Jede Schwangere muss das Recht haben, ein Kind zu Hause zu gebären, wenn sie das wünscht. Dieses Recht auszuhebeln ist der absolute Triumph einer rein marktradikalen Denkweise. Und diesmal ausschließlich zu Lasten der Frauen.

Was Frauen wirklich brauchen, ist eine Frauenbewegung, die sich um die Rechte und Lebensmodelle aller Frauen kümmert. Frauen, die sich dafür entscheiden möchten, viele Kinder zu bekommen, zu Hause bleiben und keiner gewerblichen Arbeit nachgehen zu wollen, müssen genauso unterstützt werden wie Frauen, die eine berufliche Karriere anstreben. Und auch dabei muss es egal sein, ob diese Frauen Kinder haben möchten oder nicht. Es sind unterschiedliche Wege, aber jedes dieser Lebensmodelle muss verwirklicht werden können.

Und weil dies konsequent zu Ende gedacht auch für Männer gelten muss (auch für sie muss es möglich werden, Hausmann zu sein und/oder in Teilzeit zu arbeiten), ist eine moderne Frauenpolitik, wie ich sie mir für das 21. Jahrhundert wünsche, gleichzeitig eine Politik auch für Männer und für Familienmodelle, so regenbogenfarben sie auch sein mögen. Für eine lebenswerte Zukunft. Für alle.

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2 Kommentare zu “Weltfrauentag – Kampf um Grundlegendes

  1. Frauen werden von der feministischen Bewegung nur dann unterstützt, wenn sie einen rein beruflich orientierten Lebensweg einschlagen. Damit hat sich der Kapitalismus mit seinem enormen Ökonomisierungszwang auch diese Bewegung Untertan gemacht. Die Frauen, die die größte gesellschaftliche Last tragen, werden von einer solidarischen Unterstützung ausgeschlossen.

    Frauen, die sich für einen anderen Lebensweg entscheiden, werden nicht nur von der solidarischen Unterstützung ausgeschlossen sondern sogar diffamiert. Von ihrer eigenen Bewegung. Die nur angeblich für alle Frauen eintritt, in Wirklichkeit aber ein Handlanger des Neoliberalismus geworden ist.

    Was ich nie verstehen werde ist die Hochstilisierung der Erwerbstätigkeit als alleinig glücklich machenden Lebensweg. Als ob das Leben eines Menschen nur zwischen neun und fünf Uhr Werktags stattfinden würde, und das, was uns menschlich und sozial macht, als Belastung, als Nachteil verkauft wird. Dass das nicht stimmen kann ist spätestens dann klar, wenn man die Menschen fragt, die ein Leben lang arbeiteten und sich auf den Sterbebett wünschen, mehr Menschen weniger Arbeitsdrohne gewesen zu sein.

  2. Zum Aspekt mit der Rente bei Müttern.

    Ich und meine Frau haben recht früh geheiratet und ein Kind bekommen. Mein Sohn ist jetzt 5. Dass heißt meine Frau hat seit dem Elterngeld kein/kaum noch Einkommen. Dadurch, dass wir verheiratet sind, muss ich, auch im Falle einer (hoffentlich nicht vorkommenden) Scheidung, ihren Rentenanteil mit tragen. Zusätzlich zum Unterhalt für das Kind. Damit müssten dann von dem jetzt ausreichend Geld 2 Haushalte finanziert werden. Die finanzielle Situation wäre für keinen von uns zufriedenstellend.
    Ich verdiene recht gut. Meine Rente muss aber für 2 reichen. Das wird hart für alle.

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