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Widerstand gegen den Faschismus – bunt und vielfältig

In den letzten Wochen konnte man an unterschiedlichsten Stellen auf die Behauptung stoßen, dass es ohne das linksradikale Antifaschistische Aktionsbündnis (kurz »Antifa«) so gut wie gar keinen Widerstand gegen den Faschismus gäbe. Diese Aussage ist falsch. Widerstand gegen den Faschismus wurde schon immer von völlig unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichsten Gründen geleistet – stets aber mit demselben Ziel: dem Faschismus entschlossen entgegenzutreten.

Die in Deutschland vermutlich bekannteste Widerstandsgruppe aus der NS-Zeit dürfte die Weiße Rose sein, deren bekannteste Mitglieder die Geschwister Sophie und Hans Scholl waren. Die Weiße Rose war keine linke Gruppierung, sondern eine bürgerlich-liberale Widerstandsbewegung.  Was sie getan hat, hat Menschen in ganz besonderer Weise berührt und tut dies noch heute. Das junge Alter der Mitglieder, ihre unglaubliche Kompromisslosigkeit und ihr völliger Gewaltverzicht gegenüber einem unmenschlichen Regime schafften Raum für moralische Größe. Allerdings hat sich der Widerstand dieser Gruppe nicht nur aus einem liberalen Weltbild, sondern auch aus christlicher Überzeugung gespeist. In diesem Kontext ist etwa auch das Handeln des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe zu sehen, dessen Widerstand ausschließlich religiös motiviert war; er wurde 1941 in Auschwitz ermordet.

Es ist vollkommen egal, woher die Motivation stammt, dem Faschismus entgegenzutreten: Jeder Ursprung von Widerstand gegen Unmenschlichkeit hat seine Berechtigung. Keine Widerstandsbewegung ist besser als eine andere. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob diese aus politischen, religiösen oder sonstigen Motiven handelt. Auf der anderen Seite ist es geradezu fatal, wenn eine Gruppe die Anmaßung besitzt, sich über andere zu erheben, um die ihre als einzig wahre Form des Widerstandes darzustellen. Wer so etwas tut, achtet und schätzt das, was andere geleistet und auf sich genommen haben, nicht nur gering, sondern verhöhnt sie geradezu.

Auch der heutige Widerstand gegen die neonazistischen Umtriebe ist keine Einzelleistung einiger. Bürgerliche Organisationen stehen regelmäßig gegen Faschismus auf, seien es Gewerkschaften, Parteien, Kirchen oder andere NGOs. Sogar Bürgermeister und ihre Verwaltungen stellen sich den Faschisten in den Weg. Auch hier gilt: Keine dieser Gruppen darf für sich ein Hoheitsrecht beanspruchen. Dies würde allenfalls von einer sehr ungesunden Wahrnehmung zeugen.

Welche fatale Auswirkung es haben kann, wenn der Widerstand einer Gruppe gering geschätzt wird, weil sie einem nicht gefällt, zeigt das Beispiel der Edelweißpiraten. Die Edelweißpiraten waren die Unangepassten, die Kellerkinder, die Nonkonformisten der Gesellschaft. Sie gehörten nicht zu jenen, die rhetorisch perfekt formulierte Flugblätter oder Schriften verfassten; nein, auf ihren so genannten »Scheißflugblättern« forderten sie »Schluss mit diesem Scheißkrieg« und klärten die Bevölkerung darüber auf, dass Köln so braun wie Scheiße sei. Diese einfachen Parolen wurden auch mit Straßenkreide auf Güterzüge oder Hauswände geschrieben. Edelweißpiraten waren auch daran beteiligt, Juden, verschleppte Zwangsarbeiter und geflohenen Kriegsgefangene zu verstecken und zu versorgen. Dafür wurden sie verfolgt, gefoltert, in Vernichtungslagern inhaftiert und umgebracht.

Der Widerstand dieser losen Gruppierung wurde lange Zeit nicht anerkannt, eben weil sie keiner der »etablierten« Widerstandsgruppen angehörten, weil sie geringgeschätzt wurden – denn sie waren schon immer die Unangepassten, die Wilden gewesen. Das ging sogar soweit, dass sie nach 1945 weiterhin kriminalisiert wurden. Das Einfordern von Entschädigungen wurde ihnen in der Nachkriegszeit bei den Behörden erschwert.

Das ist – wenn man etwas aus dem Schicksal der Edelweißpiraten lernen kann – vielleicht die wichtigste Lektion: Widerstand darf niemals abgewertet werden, weil einem die politische, religiöse oder persönliche Einstellung des Widerstehenden nicht gefällt.

Jedem, der für sich beschlossen hat, Widerstand gegen Faschismus zu leisten, muss es möglich sein, es auf die Weise zu tun, die ihm persönlich entspricht. Die Wirksamkeit des Handelns entscheidet sich nicht durch den Weg, den eine Widerstandsgruppe einschlägt, sondern durch die eigene Überzeugung, mit der man handelt. Nur so ist es möglich, sich mit ganzer Kraft den menschenverachtenden Ideologien mit Nachdruck entgegenzustellen.

Es sind nicht nur die »lauten« Aktionen, die zählen, sondern auch das alltägliche Handeln von Vielen. Jeden Tag. Immer.

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Ein Kommentar zu “Widerstand gegen den Faschismus – bunt und vielfältig

  1. Na, dann wollen wir die Antifa doch als Teil des Widerstands gegen den Faschismus mit all seinen Begleiterscheinungen aufmunternd begrüßen.

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