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Die piratige Bewegung und unsere Verantwortung

Wir leben derzeit in einer Welt eines unglaublich rasanten Wandels. Dieser Wandel durchzieht nicht nur Deutschland und die westlichen Gesellschaften, sondern weltweit – ausgelöst durch einen bisher nie dagewesenen Austausch an Informationen und einen einfachen Zugriff auf diese. Motor dieser Entwicklung sind Internet und WEB 2.0 – die derzeit neutralsten und unabhängigsten Medien, die einen enormen Bewusstseinswandel bei den Menschen überall auf der Welt hervorrufen.

 

In diesem Sinne ist der sog. Arabische Frühling auch nicht als ein isoliertes Phänomen zu betrachten. Aber dort haben wir gesehen, wie tief greifend dieser Wandel ist. Die Feststellung, mit seinen Ideen, Wünschen und Vorstellungen, der Empörung über gesellschaftliche Missstände nicht alleine zu sein, sondern sich interaktiv im Netz mit Gleichgesinnten austauschen zu können und sich letztlich zu organisieren, war der grundlegende Baustein, der den Aufstand in den arabischen Ländern ermöglicht hat.

 

Etwas ähnliches war vor kurzem in Indien zu beobachten: Nachdem in Indien bekannt wurde, dass ein sieben Jähriges Mädchen durch einen 43 Jahre alten Mann vergewaltigt wurde, haben junge Männer (sensibilisiert durch eine die vorangegangene unfassbar grausame und brutale Vergewaltigung einer jungen Studentin durch sechs Männern) spontan im Internet eine Demo unter dem Motto „Frauen sind keine Puppen“ organisiert. Dabei haben sie sich – tabubrechend – in Frauenröcken gekleidet zur Demo getroffen.

 

Auch wenn es nicht in jedem Land dieser Welt eine Piratenpartei gibt – gibt es dennoch überall Piraten. Überall auf der Welt erkennen immer mehr Menschen, dass das System ein Update braucht.
Die Mächtigen der Welt haben dies schon längst erkannt. Nicht umsonst versuchen China und Russland, mit Nachdruck Gesetze und Instrumente zu schaffen, um dem Informationsfluss Herr zu werden, um die Bevölkerung vom unkontrollierten Zugriff auf Informationen abzuhalten. Aber nicht nur Regierungen sind daran interessiert, die neuen Informationstechnologien zu kontrollieren. Auch die großen Konzerne – die sogenannten „Global Player“ – haben kein Interesse an einem wirklich freien Internet. Die zaghaften Versuche von „Occupy“ an den verschiedensten Orten dieser Welt haben ihre ersten Andeutungen gemacht, was in Zukunft möglich sein könnte. Die Vernetzung der Menschen geht an den institutionalisierten Einrichtungen von Staat und Wirtschaft vorbei und entzieht sich deren Kontrolle und ihrer gezielten Meinungsmache. Und das erzeugt bei denen, die bisher die Fäden in der Hand halten schlicht Angst.

 

Dass wir in Deutschland es geschafft haben, nicht nur eine Piratenpartei zu gründen, sondern auch in Länderparlamenten vertreten zu sein, gibt uns deswegen eine besondere Bedeutung und Verantwortung. Wir haben die Möglichkeit zu beweisen, dass wir das so dringend benötigte „Update“ für die Gesellschaft entwickeln können und müssen.
Doch statt dieser enormen politischen Aufgabe nachzukommen, drehen wir uns nur noch um uns selbst, als wären wir der Mittelpunkt des Universums. Der Blick für das Große und Ganze scheint uns immer mehr verloren zu gehen. Aus kleineren Dingen inszenieren wir epische Dramen in fünf Akten, versinken in gerade zu in grotesken Auseinandersetzungen zwischen sogenannten Femtrolls und Maskulinisten, Landesvorstände die auf den Bundesvorstand einhauen, eine Basis, die auf alles rumhaut, was auch nur ansatzweise wie ein Vorstand aussehen könnte, BuVos und Lavos untereinander – und über allen schwebt das ewige Misstrauen, mit dem jeder beäugt wird, der etwas macht – mit dem Ergebnis, dass nichts mehr passiert. Wir treten auf Stelle und drehen uns um uns selbst – Konstruktiv und Progressiv geht anders!

 

Anstatt die großartige Chance zu nutzen, die wir hier in Deutschland vom Wähler geschenkt bekommen und die teilweise so große Hoffnungen in uns gesetzt haben, treten wir diese mit Füßen. Wir müssen uns wieder an die Spitze der Bewegung stellen, die das Update der Gesellschaft fordert und die freiheitlichen Ideen des Internets in die Gesellschaft einbringen wollen. Wir sind es, die die Freiheit und die Neutralität des Internets verteidigen, die die aktive Einbindung der Bürger in die Politik vorantreiben, die sich der immer weiter ausufernden Überwachung in den Weg stellen müssen. Diese Aufgaben sind gewaltig und haben nicht den Hauch einer Chance, wenn wir weiterhin in dieser destruktiven Art und Weise weiter machen.

 

Wir müssen endlich erwachsen werden und verstehen, welche Verantwortung wir für die Bewegung insgesamt haben und ihr gerecht werden.
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