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Mönche ziehen gegen neumodische Techniken zu Felde

Die Auseinandersetzungen rund um die neuen Technologien zur Verbreitung von Informationen erreichen einen neuen Höhepunkt. Äbte aller großen Klöster aus den unterschiedlichsten Nationen verfassten eine Protestnote, die sie ihren jeweiligen Monarchen und Fürsten zukommen ließen. Sie fordern die Fürsten auf, diese neumodischen Buchdruckereien zu verbieten und zu beschlagnahmen. Weiterhin fordern sie, dass Papiermacher in Zukunft genau nachweisen müssen, an wen sie wie viele Seiten liefern. Ähnliches gilt für Händler, die mit Leinöl handeln. Leinöl wird zur Herstellung der Druckerschwärze verwendet. Wer illegalerweise Buchdruckereien mit Papier oder Leinöl beliefert, soll in längerer Kerkerhaft verweilen. Noch härter soll es Schmiede oder Gießer treffen, die es wagen, Lettern für Buchdruckereien herzustellen. Diese sollen zunächst in peinliche Haft genommen werden und anschließend zu lebenslanger Fronarbeit in einem klosterangehörigen Betrieb verurteilt werden. Die Betreiber einer Buchdruckerei jedoch sollen einer öffentlichen peinlichen Hinrichtung unterzogen werden.

Die Äbte fordern dieses harte Durchgreifen, da diese neumodische Informationstechnik aus mehreren Gründen gefährlich ist. So würden die Kopiermönche arbeitslos werden und die Quasimonopolstellung der Klöster, zur Verbreitung schriftlicher Informationen in jedweder Form, in Frage gestellt. Dies aber hätte die unkontrollierte Verbreitung von Wissen zur Folge mit kaum zu absehbaren Auswirkungen. Jeder könne nun seine Thesen drucken lassen binnen kurzer Zeit einem großen Leserkreis zugänglich machen.

Bruder Vincent, Abt einer der größten klösterlichen Bibliotheken und oberste Vertreter der protestierenden Äbte erklärt dazu: „Stellen sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch alles lesen darf. Wo soll das hinführen? Absurde Behauptungen, wie die Erde sei eine Kugel und nicht der Mittelpunkt des Universums, würden sich ungehindert ausbreiten können. Bücher, die die heilige Mutter Kirche und die natürliche, von gottgegebene Ordnung in Frage stellen, würden von Hand zu Hand wandern!  Es ist schon jetzt schwer genug, diese ketzerischen Thesen unter Kontrolle zu bekommen, die Inquisition kommt kaum noch hinterher. Dies hat mit der Verbreitung des Buchdrucks eine ganz neue Qualität angenommen“.

Mit diesen Aussagen steht der Abt nicht alleine da, auch die Fürsten fürchten die neue Macht, die von den Buchdruckereien ausgeht. Immer wieder tauchen Bücher auf, die Ideen von der „Freiheit des Geistes und der Individuen“ propagieren und für örtliche Aufstände unter den Bürgern sorgen. Dabei werden nicht nur Bücher gedruckt, sondern auch Handzettel, die sich in windeseile verbreiten und Thesen über „Freiheit“, „Demokratie“ oder gar „Menschenrechte“ enthalten oder einfach nur Aufrufe zu „Demonstrationen“. Dabei wird immer wieder – wie Bruder Vincent treffend bemerkte – die göttliche Ordnung in Frage gestellt. So gibt es immer wieder Bauern, die sich neuerdings weigern, den Zehnt zu entrichten und Kleidung tragen wollen, die nicht ihrem Stand entspricht. Andere glauben, sie müssten nicht mehr auf dem Gut ihres Herrn bleiben, sondern hätten ein Recht auf Freiheit und dürften einfach so weg und dorthin gehen, wohin es ihnen beliebt! Die Bürger in den Städten bezweifeln seit neuestem die von Gott gegebenen Privilegien des Adels.

Noch neumodischer ist die Herausgabe von sog. „Zeitungen“, mit denen Nachrichten verbreitet werden sollen. Immer wieder tauchen in diesen Bättern Meldungen über die Regierungsgeschäfte der Fürsten und Monarchen auf. Teilweise wird auch das ihnen zustehende Leben als verschwenderisch bezeichnet. Dies alles hat den Bürger zum einen nicht zu interessieren und zum anderen kann er sich wohl kaum anmaßen, das Leben seiner Herrschaft in Frage zu stellen. Jetzt werden diesen Zeitungen auch immer wieder Handzettel beigelegt, die für sündige Wirts- und Badehäuser werben. Eindeutiger lässt sich der Verfall der Sitten kaum darstellen.

Überhaupt sind diese Handzettel, oft auf billigsten Papier und schnell gedruckt, ein echtes Ärgernis. Die Botschaften darauf, seien es Aufrufe zum Aufruhr oder ketzerische Thesen, werden durch diese weiter verbreitet als je zuvor. Die Handzettel wandern nicht nur von Hand zu Hand, wie der Name schon sagt, sondern werden immer öfter heimlich in der Nacht an gut besuchten und öffentlichen Orten ausgehängt, um den Geist der frommen Menschen zu vergiften.

Bruder Vincent gibt denn auch eine düstere Prognose ab: „Wenn wir diese Buchdruckereien nicht bald kontrollieren, gehen wir einer furchtbaren Zukunft entgegen. Die Menschen werden das glauben, was sie wollen, ja sie werden sogar Gott selbst in Frage stellen und sich von der heiligen Mutter Kirche abwenden. Sie werden wie in Sodom und Gomorrha leben, Männer werden bei Männern liegen können,  Kinder werden nicht mehr gezüchtigt und überhaupt wird es keinen Anstand und keine Moral mehr unter den Menschen geben. Sie werden sich selbst und ihre angeblichen Rechte in den Mittelpunkt des Seins stellen. Es wird der Untergang des Abendlandes sein!“

Ein Sprecher eines der großen Fürstenhäuser in Europa sieht dies etwas gelassener., auch wenn er die Gefahr der neuen Technik sieht und ihr den Kampf ansagt, meint er unverdrossen: „Diese Buchdruckerei wird sich nicht durchsetzen“.

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Johann Faust, Mainzer Bürger, der zunächst mit Guttenberg am Buchdruck gearbeitet hat, wurde tatsächlich von den Mönchen, die er arbeitslos gemacht hat, angezeigt. Ihm wurde „schwarze Kunst“ vorgeworfen. Einige Jahre später tauchte dann in der Literatur die Figur des Johann von Fausten auf….

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