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Peter Feldmann, Spitzenkandidat der Frankfurter SPD zu Besuch bei den Piraten

Für alle nicht-Frankfurter ein kleines Vorwort: Am 11.03.2012 waren die Frankfurter Bürger aufgerufen einen neuen Oberbürgermeister zu wählen. Erwartungsgemäß hatte kein Kandidat die erforderliche Mehrheit, sondern es wird am 25.03.2012 eine Stichwahl zwischen Peter Feldmann (SPD) und Boris Rhein (CDU) geben. Auch dies ist nicht wirklich überraschend. Umso überraschender allerdings die mehr oder weniger spontane Entscheidung von Peter Feldmann die Piraten an ihrem Stammtisch zu besuchen. Über diesen Besuch möchte ich ein wenig berichten.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich Peter Feldmann mit einer gehörigen Portion Misstrauen entgegengetreten bin und er hat zunächst einmal alle meine Vorurteile über Berufspolitiker bestätigt. Denn als erstes hat er einen fast 15minütigen Monolog gehalten und etwas darüber erzählt, was er alles im sozialen Bereich getan hat oder auch nicht – als ob es mich interessieren würde, was er irgendwann einmal vor langer Zeit getan hat. Die klassische Selbstdarstellungsshow halt.

So enttäuschend ging es dann auch weiter, meine erste Frage wurde mit dem typischen Wischiwaschi-Blabla beantwortet (ich weiß schon gar nicht mehr, welchen uninteressanten Kram er eigentlich erzählt hat). Als er bei meiner zweiten Frage ebenfalls in dieser Art und Weise versucht hat zu antworten, fiel ich ihm einfach mal dreist ins Wort und wollte ihn auf eine eindeutige Aussage festnageln. Und siehe da, es kam eine glasklare und eindeutige Ansage in Form eines einfachen und präzise formulierten Satzes. Auf den Hinweis meinerseits, dass ich genau diesen einen Satz hören wollte, war er völlig erstaunt, dass es so einfach sein kann.  Ja, genauso einfach kann Kommunikation funktionieren, wenn man alle Sprechblasen mal weg lässt. Schließlich waren es gerade SPD-Politiker, die gezeigt haben, dass das, was man früher einmal gemacht oder erlebt hat, gar nichts zu bedeuten hat.

Ich erinnere dazu einmal an Otto Schilly, der vom RAF-Anwalt zum schweren Rechtsaußen der SPD mutiert ist und u. a. die Grundsteine für die Vorratsdatenspeicherung gelegt hat. Oder Gerhard Schröder, der unter armen Verhältnissen aufwuchs, was ihn allerdings nicht davon abgehalten hat, armen Menschen das Leben mit der HartzIV-Gesetzgebung noch schwerer zu machen.

Aber zurück zu Peter Feldmann. Was immer dieser auch in der Vergangenheit getan hat, mich interessiert ausschließlich, was er in Zukunft zu tun gedenkt und genau daran wird er sich messen lassen müssen. Nachdem er festgestellt, dass die geforderten Antworten „so einfach“ sein können, wurde es doch noch interessant. Spannend und auch ehrlich fand ich die Aussage, dass der ÖPNV ein sehr dickes Brett ist und dass es nicht möglich ist, von heute auf morgen das System auf den Kopf zu stellen, sondern dass es eine konsequente Politik der kleinen Schritte braucht. Das klingt realistisch und wäre prinzipiell der Weg, den ich einschlagen würde, um dicke Bretter zu bohren. Kleinere soziale Projekte wurden von den Piraten angesprochen und erstaunlich ausführlich diskutiert. Ja, wir Piraten wurden sogar eingeladen, das ein oder andere Projekt anzuschieben. Auch dabei konnte Feldmann ein ehrliches Interesse signalisieren – und sollte er Oberbürgermeister werden, werden wir uns an diese Projekte garantiert erinnern.

Leider fiel er bei der Frage, was ihn an den Piraten denn am meisten stören würde, wieder in allgemein-verbindliches zurück. Die hohe Technikaffinität würde ihn stören, weil es viele Menschen aussperren würde. Aber auch das relativierte er recht schnell. Diese Antwort fand ich erstaunlich. Zum einen, weil wir Piraten uns immer auch für Barrierefreiheit einsetzen, zum anderen, weil viele Menschen gerade durch die neuen Techniken einen Zugang zu unserer Gesellschaft haben, den sie so vor vielen Jahren nie gehabt hätten. Eines der Beispiele ist @EinAugenschmaus, die als Gehörlose ein Star auf Twitter und in der Blogger-Szene ist und die unter Barrierefreiheit in erster Linie das Entfernen der Barrieren im Kopf von Menschen versteht. Ein anderes Beispiel wäre @conny_flix, der als Schwerbehinderter nicht nur der Vorsitzende der Piraten in Hameln ist, sondern auch einer der jüngsten Kreistagsabgeordneten, den die Piraten zu bieten haben.

Mein ganz persönliches Fazit: Sobald Peter Feldmann das Politikergeschwafel einstellt und sachorientiert diskutiert, vermittelt er tatsächlich einen ehrlichen und sogar sympathischen Eindruck. Auf kommunaler Ebene gibt es viele Überscheidungen in etlichen Bereichen, insbesondere im sozialen und (der für uns Piraten so wichtige) Bereich der Bildung. Ich denke, er ist tatsächlich an den Menschen in dieser Stadt interessiert und seine Bereitschaft auch für den unteren Teil der Bevölkerung etwas zu tun ist ebenfalls aufrichtig und nicht geheuchelt.

Ich bin davon überzeugt, dass wir als Piraten uns eher mit Peter Feldmann arrangieren können als dies bei Boris Rhein der Fall wäre. Deswegen rate ich allen Piraten, Freibeutern und Piraten-Wählern am 25.03.2012 wählen zu gehen.

@Drachenrose

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