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Der Weltfrauentag, die Piraten und postgender

Am 08.03 ist Weltfrauentag. Es gibt ihn seit 1911 und ist eine schöne Tradition. Seit einigen Jahren werden von den unterschiedlichsten politischen Organisationen Blumen an Frauen an diesem Tag verteilt. Die Piraten in Frankfurt werden dies ebenfalls machen. ‚Moment mal‘, wird jetzt der ein oder andere Pirat sagen, ‚Blumen am Weltfrauentag verteilen – wir sind doch postgender, dieses Blumenverteilen ist doch allenfalls noch als positive Diskriminierung aufzufassen‘. Das mag vielleicht richtig sein. Wir Piraten sehen uns gerne als postgender und inwiefern wir dieses wirklich sind, soll nicht Gegenstand dieses Beitrags sein.

Selbst wenn wir als Piraten tatsächlich und ernsthaft postgender sind, die Gesellschaft in der wir leben, ist es ganz sicher nicht. Laut der letzten OECD-Studie ist die Frauendiskriminierung gemessen am Gehalt nirgendwo in Europa so krass wie in Deutschland. Von postgender sind wir gesellschaftlich sehr, sehr weit entfernt.

Dabei haben Frauen in diesem Land sehr viel erreicht. 1911 wurde der Weltfrauentag zum ersten mal gefeiert u. a. in Deutschland. Hauptforderung damals war das Frauenwahlrecht, welches sie 1918 in Gesetzesform erhielten. In den 1920ern erfolgte dann die erste große Welle der Emanzipation, welche bis in die 30er und 40er Jahre hineinschwappte. „Das Fräulein von der Vermittlung“ und die „Sekretärin im Vorzimmer“ war die große Bewegung gutbürgerlicherlicher Frauen in die Berufswelt. In den 1950ern und 1960ern kippte das Frauenbild. Dies mag vielleicht auch eine Reaktion auf die Grausamkeiten des vorangegangen Krieges gewesen sein. Man wollte mit dem heimischen Nest, deren Gestaltung der Hausfrau oblag, den erlebten Gräßlichkeiten eine heile Welt entgegensetzen. Damit räumten dann deren Kinder in den 1960er Jahren gründlich auf. Die alten, diskriminierenden Gesetze (Frauen waren nicht geschäftsfähig, durften ohne Einverständniserklärung des Ehegatten nicht arbeiten etc.) waren für die modernen Frauen und auch viele Männer mehr als nur ein Hindernis für ein modernes miteinander. Zwar war bereits mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 die Gleichstellung der Frau verfassungsrechtlich garantiert, aber die alten Gesetzte, die Frauen zu Menschen 2. Klasse und oftmals zum Eigentum des Mannes machten, waren nach wie vor gültig. Die 68er-Bewegung sorgte dafür, dass die Gleichstellung des Grundgesetzes auch tatsächlich in der Gesellschaft erfolgte. Die in den 1980ern erstmalig eingeführte Frauenquote sorgte für mehr oder weniger aufgeregte Diskussionen. 1997 wurde dann in Deutschland die Vergewaltigung in der Ehe strafbewährt. Bis zu diesem Zeitpunkt, waren Frauen ihren Ehemännern in Sachen Beischlaf regelrecht ausgeliefert.

Von diesem Aufreger abgesehen, wurde es in den 1990ern eher ruhig in der Frauenbewegung. Wir, die jungen Frauen damals (dazu zähle auch ich), haben uns auf emsig ins Studium gestürzt und darauf verlassen, dass das mit der Gleichberechtigung schon irgendwie stimmt. Um so verdutzter haben wir uns dann die Augen gerieben, als wir festgestellt haben, so gleich sind wir ja gar nicht – vor allem wenn es um das Einkommen geht oder auch um die Karriere. Frauendiskriminierung ist heute nach wie vor zu finden, wenn auch weitaus subtiler, da die Gesetzeslage eindeutig ist.

Das ist für mich als Pirat Grund genug um Blumen am Weltfrauentag zu verteilen. Erstens um die Rechte, die bereits erkämpft wurden zu honorieren aber auch um zu zeigen: Wir sind noch nicht am Ende mit unseren Forderungen. Als postgender orientierter Pirat will ich dieses nicht nur in der Piratenpartei, sondern auch in der Gesellschaft leben. Postgender muss bedeuten, dass es auch in Sachen Einkommen und Karriere vollkommen egal ist, welchem Geschlecht man anhängt. Da haben wir noch einiges zu tun.

In einer echten postgender Gesellschaft können wir dann den Weltfrauentag einfach in einen „Weltmenschentag“ umwandeln – weil es dann egal wäre, ob man männlich, weiblich oder einem 3. Geschlecht zugehörig ist – und uns alle zusammen feiern.

Übrigens: Am 3. November ist Weltmännertag

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Ein Kommentar zu “Der Weltfrauentag, die Piraten und postgender

  1. „In einer echten postgender Gesellschaft können wir dann den Weltfrauentag einfach in einen „Weltmenschentag“ umwandeln – weil es dann egal wäre, ob man männlich, weiblich oder einem 3. Geschlecht zugehörig ist – und uns alle zusammen feiern.“

    Die Frage ist halt wie will man das erreichen?

    Viele Grüße
    René

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